Fledermaus gefunden?

Man kann das ganze Jahr über zufällig Fledermäuse auffinden. Oft lässt es sich dabei nicht eindeutig beurteilen, ob eine Fledermaus Hilfe benötigt oder nicht. Dies hängt entscheidend von der Fitness des Tieres, der Jahreszeit und den Fundumständen ab.

 

Wenn man das Tier in seinem Tagesschlaf gestört hat, z.B. hinter einem Klappladen oder in einem Holzstapel, sollte man das Tier bis zum Abend in Ruhe lassen und dann kontrollieren, ob es sein Versteck verlassen hat. Schlafende Tiere brauchen oft bis zu einer halben Stunde, um aus ihrer Tageslethargie aufzuwachen und ihren Stoffwechsel auf Betriebstemperatur zu bringen. Dabei vibriert der Körper sichtbar (Muskelzittern). In kalten, windigen oder regnerischen Nächten kann es sein, dass die Tiere gar nicht ausfliegen, da es zu wenig Insekten gibt.

 

Anders ist es bei sichtbar verletzten oder kranken/geschwächten Tieren. Sie sind oft dauerhaft lethargisch, sehen mitunter zerzaust und ungepflegt aus, hängen ungeschützt an Wänden oder liegen am Boden und wehren sich mitunter nicht gegen den Menschen. Achtung, Fledermäuse können sich auch totstellen. Dabei liegen sie auf dem Rücken und legen die Flügel an den Körper. Beobachten Sie also eine leblose Fledermaus einige Minuten, um sicherzustellen, dass sie wirklich tot ist. Die Krallen von toten Fledermäusen lösen sich nicht vom Untergrund, tote Fledermäuse können also wochenlang an ihrem Hangplatz hängen bleiben. 

 

Erste Hilfe: wenn Sie der Meinung sind, dass die Fledermaus Hilfe benötigt, dann sollten Sie sie zunächst in Sicherheit bringen, vor allem vor übermäßiger Hitze/Kälte, Hunden, Katzen oder sonstigen Gefahren. Wildtiere sollte man nie mit bloßen Händen anfassen, denn sie können sich durch Beißen wehren, wenn sie sich  bedroht fühlen. Ziehen Sie also Handschuhe an oder umfassen Sie das Tier mit einem Handtuch und setzen Sie es in einen Karton mit Luftlöchern, in den sie etwas zusammengeknülltes Küchenpapier oder ein Geschirrtuch zum Verstecken legen. Falls Sie doch gebissen oder verletzt werden, reinigen Sie die Verletzung und desinfizieren Sie die Stelle. Zusätzlich sollten Sie umgehend einen Arzt aufsuchen. Verschließen Sie den Karton gut und beschweren Sie den Deckel, Fledermäuse sind Ausbrecherkönige! Der Karton sollte dann an einer dunklen und kühlen Stelle stehen.

 

Geschwächte Tiere sind in der Regel sehr durstig. Versuchen Sie daher, dem Tier mit Hilfe einer Pipette, einer Spritze (ohne Kanüle) oder eines sauberen, in Wasser getränkten Pinsels etwas Wasser zu geben. Dabei bitte immer seitlich an das Maul herangehen, da sonst Wasser in die Nase des Tieres gelangen kann. In der Regel wird das angebotene Wasser gierig aufgeleckt. Das Wasser sollte nicht zu schnell und in kleinen Portionen getrunken werden, sonst kann es zum Erbrechen kommen! Sie können zusätzlich einen mit Wasser gefüllten Schraubdeckelverschluss in den Karton stellen, damit die Fledermaus trinken kann.

 

Wenn das Tier nur kurze Zeit bei Ihnen bleibt, ist eine Fütterung nicht nötig. Unsere einheimischen Fledermäuse sind Insektenfresser. Keinesfalls dürfen sie anderes Futter oder Kuhmilch erhalten. Als Nahrung eignen sich je nach Größe des Tiers Stubenfliegen, Stechmücken, Nachtfalter, Grillen/Heimchen oder Mehlwürmer, die mit einer Pinzette gereicht werden können. Ist das Tier sehr klein oder schwach, dann füttert man ihm nur das Innere der Mehlwürmer, das man mit Hilfe einer Pinzette aus der harten Hülle herausdrücken kann, wenn man den Kopf des Mehlwurms abschneidet.

 

Wenn sich das Tier bis zum Anbruch der Dunkelheit erholt hat, lebhaft im Karton herumkriecht und sich gegen Berührungen wehrt, kann man versuchen, es fliegen zu lassen. Die Auswilderung sollte da erfolgen, wo man das Tier gefunden hat, und nur bei gutem Wetter stattfinden (Temperatur über 5 Grad Celsius, kein Regen oder starker Wind). Dazu setzt man es an einen Baumstamm und beobachtet, ob das Tier davonfliegt. Wenn es einige Stunden später noch am Baum sitzt oder beim Fliegen nach einigen Metern abstürzt, benötigt es weitere Hilfe. Bitte benachrichtigen Sie einen Fledermausexperten (siehe unten).

 

Bei Funden im Winter stellen Sie das Tier sicher, bringen es an einen kühlen Platz, und benachrichtigen Sie umgehend einen Fledermausexperten (siehe unten).

 

Jungtiere gibt es nur in den Monaten Mai bis Juli. Man erkennt sie daran, dass sie sehr klein, flugunfähig, nackt oder spärlich behaart und eventuell noch blind sind. Sie werden in der Regel nahe einer Fledermauskolonie gefunden, aus der sie herausgefallen sind. Ihre Aufzucht und Auswilderung ist sehr anspruchsvoll und selten erfolgreich. Deshalb sollte man versuchen, sie zurück zu ihren Müttern zu bringen. Zwischenzeitlich kann man sie mit Wasser versorgen (keine Kuhmilch!). Wenn man den Einschlupf in die Kolonie kennt, sollte man sie so nah wie möglich an diesen setzen und beobachten, ob sie in die Kolonie zurückklettern. Wenn das nicht möglich ist, sollte man sie abends und/oder morgens in der Dämmerung  auf einen „Kuschelturm“ setzen und diesen in unmittelbarer Nähe der Kolonie katzensicher aufstellen, auf einem Tisch, einer Leiter oder einem Fensterbrett. Dazu benötigen Sie eine große Schüssel, in die Sie eine mit warmem Wasser (etwa 40 Grad Celsius) gefüllte Flasche stellen. Über die Flasche stülpen Sie eine Socke, auf der Sie die junge Fledermaus absetzen. Sollte die Mutter noch leben, dann wird sie ihr Junges rufen hören und abholen. Diesen Versuch kann man zwei Nächte hintereinander wiederholen. Tagsüber sollte das Junge kühl und sicher im Haus gehalten und mit Wasser und ggf. Welpenmilch für Hunde (Royal Canin) versorgt werden. Gelingt die Rückführung nicht, benachrichtigen Sie umgehend einen Fledermausexperten.  

 

Was nun? 

 

Holen Sie sich Hilfe beim nächsten Fledermausexperten oder bei der NABU-Fledermaushotline. Die Aufzucht, Versorgung und Auswilderung von Fledermäusen ist anspruchsvoll und braucht einige Sachkenntnis und Erfahrung.

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