Der im Durchschnitt ca. 28 Zentimeter große Bienenfresser ist einer der buntesten Vögel Europas. Er ist kaum zu verwechseln: Der Bauch- und Brustbereich ist türkisfarben, Scheitel-, Nacken- und Rückenpartien sind rostbraun, die Flügel sind ebenfalls in beiden Farben gehalten, und über dem gelblichen Kinn befindet sich ein schwarzer Augenstreif. Ein weiteres Merkmal neben der exotischen Färbung ist der typische leicht gebogene, lange Schnabel und die verlängerten mittleren Schwanzfedern, die Schwanzspieße bei den Altvögeln. Jungvögeln fehlen diese Schwanzspieße.
Zum Anhören: Ruf des Bienenfressers (Youtube-Verlinkung)
Seit 2002 sind Bienenfresser fester Bestandteil unserer Region – und längst mehr als nur eine ornithologische Besonderheit. Was einst bei Eisenberg als einzelnes Vorkommen begann, hat sich zu einem der bedeutendsten Verbreitungsschwerpunkte der Art in Rheinland-Pfalz entwickelt.
Heute sind bei uns rund zehn Brutplätze bekannt, die sich alle in aktiven Sand- und Klebsandgruben befinden. Diese Rückzugsorte bieten ideale Bedingungen, sind jedoch aus gutem Grund tabu: Sowohl aus Sicherheitsgründen als auch zum Schutz der sensiblen Brutkolonien ist ein Betreten streng verboten.
Wer die farbenprächtigen Vögel dennoch erleben möchte, hat dazu reichlich Gelegenheit. Mit fast 2000 Brutpaaren seit 2002 stellt unsere Region einen echten Hotspot dar: Über 40 Prozent des gesamten Landesbestandes konzentrieren sich hier.
Im Sommer lassen sich Bienenfresser regelmäßig im Umland beobachten – etwa über den Feldern bei Eisenberg, am Grünstadter Berg oder im Eisbachtal.
Ein besonderer Ort ist auch die Kolonie bei Gerolsheim. Sie gehört inzwischen ebenfalls zu den größten in Deutschland. Das was bei den Eisenberger Kolonien nicht erlaubt ist, ist hier, dank eines Beobachtungsstandes des NABU Frankenthal möglich: Die Beobachtung der Bienenfresser an der Brutwand ohne diese zu stören. Ein seltenes und eindrucksvolles Naturerlebnis. Weitere Informationen dazu finden Sie hier.
Der stete Anstieg der Brutpaarzahlen in Rheinland-Pfalz wurde 2022 durch einen massiven Bestandseinbruch unterbrochen, der erst 2025 kompensiert werden konnte. Vermutlich führte eine nass-kalte Witterung zur Fütterungszeit im Jahr zuvor zu einem stark reduzierten Bruterfolg, so dass 2022 deutlich weniger Paare zur Brut schritten.
Bienenfresser sind damit nicht nur Profiteur des Klimawandels, sondern können auch zu dessen Opfer werden.
In mehreren Studien und verschiedenen Master- und Promotionsarbeiten konnten wir als Fachgruppe „Bienenfresser“ in der Deutschen Ornithologischen Gesellschaft (DOG) etwas Licht in die Biologie und Ökologie der Bienenfresser in unserer Region bringen. In den ersten Jahren konzentrierten wir uns darauf, die Brutvorkommen möglichst präzise zu erfassen. Dies geschah europaweit, so dass wir inzwischen ein recht gutes Verständnis zum Vorkommen der Art in Deutschland und Nachbarländern haben und wie sich die Brutbestände seit den 1950er Jahren entwickelten. Weitere Studien verfolgten andere, sehr verschiedene Fragestellungen zur Biologie der Art.
- Bauen Bienenfresser jedes Jahr neue Brutröhren?
- Was fressen Bienenfresser bei uns und was wird an Jungvögel verfüttert?
- Welche Lebensräume nutzen Bienenfresser?
- Wie nutzen Bienenfresser den Raum um Eisenberg?
- Woher sind die Bienenfresser einmal gekommen und wie unterscheiden sich „unsere“ Bienenfresser genetisch von
Bienenfressern aus anderen Regionen der Welt?

Auch wenn noch nicht alle Fragen abschließend geklärt sind, verstehen wir heute deutlich besser, warum sich Bienenfresser dauerhaft in unserer Region etablieren konnten.
Während der Brutzeit – von Mai bis Ende Juli – jagen die Vögel überwiegend im unmittelbaren Umfeld ihrer Brutkolonien. Nach dem Ausfliegen der Jungvögel erweitern sie ihren Aktionsraum jedoch deutlich. Dann findet man sie im Umfeld von Eisenberg und Göllheim über Grünstadt bis nach Gerolsheim.
Bienenfresser sind Spezialisten für das Erbeuten von Hummeln, andere Bienen, Libellen oder Schmetterlinge im freien Luftraum. Bei ungünstigen Wetterbedingungen jedoch – etwa bei Regen – ist die Flugaktivität der Insekten so stark eingeschränkt, dass Bienenfresser ihre Jagdstrategie anpassen müssen. Jetzt fliegen sie niedrig über den Boden und scheuchen beispielsweise dort sitzende Heuschrecken, wie „Grüne Heupferde“ auf, um die auffliegenden Tiere im Flug zu erbeuten.
Nahrung finden Bienenfresser überraschenderweise auch häufig über Äckern, zum Beispiel über den Feldern bei der Erdekaut (wo übrigens keine Bienenfresser brüten) oder im Eisbachtal. Hier, wo durch die intensive Landwirtschaft das Nahrungsangebot eingeschränkt ist, jagen Bienenfresser dennoch erfolgreich. Vermutlich spielen dafür strukturreiche Lebensräume eine entscheidende Rolle, wie die Heckenlandschaft am Grünstadter Berg oder die ruderal geprägten Feldränder entlang der Gruben.
Spätestens im August vergrößert sich der Aktionsraum „unserer“ Bienenfresser deutlich. Dann bestehen gute Chancen, die Vögel in der gesamten Region zu beobachten – besonders häufig bei Obrigheim, Obersülzen, entlang des Haardtrandes, im Eisbachtal oder zwischen Eisenberg und Bockenheim. Im September lassen sich dann Gruppen von 100 Tieren und mehr bei uns beobachten. Spätestens wenn der Sommer einem herbstlich-stürmischen Wetter weicht, ist es Zeit für die Bienenfresser sich auf die Wanderung in ihre Wintergebiete zu begeben. In den nächsten etwa zwei Monaten fliegen sie über Südeuropa, die Straße von Gibraltar auf das afrikanische Festland. Hier folgen sie der Westküste Afrikas bis weit in den Süden, ehe sie teilweise erst in Angola und dem nördlichen Namibia ihre Winterquartiere erreichen.
Bienenfresser können nur da (über)leben, wo das Insektenangebot hoch ist. Das erklärt, weswegen die etwa 6500 Brutpaare in Deutschland (Stand 2025) sehr ungleichmäßig verbreitet sind. Bienenfresser sind als Indikatorart für eine insektenreiche Landschaft zu verstehen, und seine punktuelle Verbreitung ist ein Bild dafür, dass vielerorts in Deutschland das Insektenaufkommen für erfolgreiche Bruten des Bienenfressers nicht mehr ausreicht. Und es ist tatsächlich kein Widerspruch zu den sogenannten „Krefelder Studien“, die einen Insektenschwund von bis zu 75 % in nur 30 Jahren belegen konnten. Trotz eines massiven Einbruchs der Insektenzahl können Bienenfresser an einigen wärmebegünstigten und noch insektenreichen Orten erfolgreich brüten und im Bestand zunehmen.
Zur Verbreitung, Bestandsentwickung und Biologie der Bienenfresser bei Eisenberg und im Leiningerland: